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Trageerschöpfung bei Pferden

Damit dein Liebling dich schmerzfrei tragen kann, benötigt er eine gut ausgeprägte Muskulatur. Ist die Bauchmuskulatur jedoch nicht stark genug, fehlt dem Rumpf die nötige Stabilität und der Körper sackt nach unten ab. In diesem Fall spricht man von Trageerschöpfung oder dem Topline-Syndrom. Da sowohl die Ursachen als auch die möglichen Folgen dieser Erkrankung sehr vielfältig sind, haben wir hier alle wichtigen Informationen für dich übersichtlich und leicht verständlich zusammengestellt.

Was ist Trageerschöpfung?

Immer häufiger ist in Reitmagazinen und auf Social Media die Rede von „Trageerschöpfung“ oder dem „Topline-Syndrom“. Doch was steckt eigentlich dahinter?

Diese Begriffe beschreiben ein Ungleichgewicht in der Muskulatur des Pferdes, das häufig durch das jahrelange Tragen des Reitergewichts entsteht. Besonders betroffen ist dabei die tragende Muskulatur deines Lieblings.

Befindet sich dein Pferd in einem solchen Zustand, zeigt sich das meist durch eine deutlich eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Bewegungen wirken mühsam, das Pferd baut Muskulatur ab oder verweigert die Arbeit.

Bleibt die Trageerschöpfung über längere Zeit unbehandelt, kann sie ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Sehnen, Bänder und Gelenke werden überlastet, da sie die fehlende Muskulatur ausbalancieren müssen. Zudem können Organe nicht mehr optimal arbeiten und somit zu Problemen mit den Atemwegen oder der Verdauung führen. Auch die Wirbelsäule kann eingeengt und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt werden. Die Trageerschöpfung zieht also einen Rattenschwanz an ernstzunehmenden Risiken mit sich. 

 

Trageerschöpfung erkennen 

Solltest du diese Anzeichen bei deinem Pferd erkennen, könnte es sein, dass dein Vierbeiner unter Trageerschöpfung leidet.

Körperliche Symptome  

  • Stark ausgeprägter Unterhals     
  • Hervorstehendes Brustbein zwischen den Vorderbeinen 
  • Rumpf hängt zwischen Schulterblättern 
  • nach unten sackendem Brustkorb 
  • Verspannter Schulter- und Brustkorb 
  • Löcher neben dem Widerrist 
  • Durchhängender Rücken 
  • Lendenwirbelsäule wölbt sich auf (Karpfenrücken)
  • Verkürzte & feste Bauchmuskeln 
  • Weiche Fesselung 
  • Lautes Auffußen 

 

Anzeichen beim Reiten 

  • Flacher Bewegungsablauf 
  • Schlechte Biegung 
  • Leistungseinbußen 
  • Mangelnde Rittigkeit 
  • Nachlassende Freude am Laufen 
  • Verweigerung/Blockaden 

 

Die Ursachen der Trageerschöpfung

Um eine passende #solution für das Topline-Syndrom zu finden, ist es wichtig, zunächst die Ursachen gezielt zu erkennen. Nur so kannst du langfristig die Muskulatur deines Vierbeiners sinnvoll aufbauen und stärken.

 

Oft beginnt der Prozess der Trageerschöpfung bereits in jungen Pferdejahren. Ein Pferd ist erst im Alter von etwa 5 bis 7 Jahren vollständig ausgewachsen. Dennoch werden viele Pferde schon deutlich früher stark belastet. Ein zu frühes Anreiten oder eine zu intensive Arbeit in jungen Jahren kann schnell  zu Trageerschöpfung führen.

Eine weitere häufige Ursache ist die falsche Ausbildung. Wird ein Pferd beispielsweise versammelt geritten, obwohl es noch nicht im Takt, losgelassen und ausbalanciert läuft, kann dies zu Fehlbelastungen und Muskelabbau führen.

 

Weitere mögliche Ursachen sind unter anderem:

  • gesundheitliche Probleme
  • Rückenprobleme (Verspannungen, Schmerzen der Rückenmuskulatur, Vorerkrankungen)
  • schlecht sitzendes Zubehör, insbesondere Sättel und Trensen 
  • falsche Belastung durch den Reiter (unzureichende Reiterbalance, schlechter Reitersitz)
  • schlechtes Reiten (harte Hand, erzwungene Kopfhaltung, „in den Rücken fallen“)
  • Blockaden im Bewegungsapparat
  • Schonhaltungen aufgrund von Schmerzen
  • Überlastung der Muskulatur durch zu intensives oder zu langes Training
  • Ignorieren von Ermüdungserscheinungen, fehlende Pausen und zu wenig Regenerationszeit
  • zu wenig freie Bewegung
  • Zahn- und Hufprobleme  
  • zunehmendes Alter

 

 

Wichtig ist zu verstehen, dass Trageerschöpfung nicht zwangsläufig durch zu harte oder grobe Arbeit entsteht. Selbst ein Pferd, das scheinbar schonend angeritten oder geritten wird, kann betroffen sein – etwa durch einen unausbalancierten Reitersitz.

 

Trageerschöpfung – und was jetzt?

Wenn du erfährst, dass dein Pferd unter Trageerschöpfung leidet, ist das zunächst ein Schock. Gleichzeitig kannst du aber aufatmen: Die Erkrankung lässt sich behandeln. Wichtig ist jedoch, dass du weißt, dass der Heilungsprozess lange dauern kann und dein Pferd während dieser Zeit nicht wie gewohnt geritten werden darf.

Bei einem stark ausgeprägten Topline-Syndrom kann die Behandlung 6 bis 12 Monate dauern. Wird die Trageerschöpfung früh erkannt, können Bodenarbeitsübungen schon nach wenigen Wochen erste Verbesserungen bringen. Das Ziel ist, dass dein Pferd seine eigene Tragkraft zurückerhält und schmerzfrei wird.

Um Verspannungen zu lösen, stehen dir Chiropraktik, Osteopathie, Akupunktur, Physiotherapie und Lasertherapie zur Verfügung. 

Sobald die Verspannungen gelöst sind, kann der Fokus auf Muskelaufbau und Ausdauertraining gelegt werden. Mit stärkerer Muskulatur hat das Pferd keine Schmerzen mehr und kann wieder geritten werden. Während dieser Zeit ist die volle Aufmerksamkeit von Trainer, Sattler, Tierarzt, Therapeut und dir wichtig.

Wenn du deinen Vierbeiner zusätzlich mit kleinen Übungen unterstützen möchtest, eignen sich besonders das Training am Kappzaum oder an der Doppellonge. Auf diese Weise können die Bewegungsabläufe deines Pferdes gezielt neu geschult werden. Beim Longieren kannst du außerdem Stangen einbauen, die dein Pferd im Schritt, Trab oder Galopp überwinden soll. Sehr effektiv ist es auch, gemeinsam bergauf und bergab spazierenzugehen, da dies die Muskulatur schonend stärkt.

Achte darauf, dein Pferd nicht zu überfordern, arbeite in kleinen Schritten und belohne es regelmäßig. Um Ermüdung zu vermeiden, sollten die Trainingseinheiten kurzgehalten und durch viele Pausen unterbrochen werden. Sinnvoll ist es auch, wenn du den Therapeuten, der dein Pferd betreut, nach einem individuellen Trainingsplan fragst.

 

 

 

Trageerschöpfung ist leider keine Seltenheit. Jetzt weißt du aber, wie du sie am besten vorbeugen kannst – und wie du vorgehst, falls dein Pferd bereits betroffen ist.

Wenn dein Vierbeiner erkrankt ist, wünschen wir dir und deinem Pferd viel Kraft und Geduld für die Genesung!

 

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